Die Frau des Monats März `21

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Foto: Uli van Beveren
Die Frau des MonatsGäste schreiben für Gisella
                        (Foto: Uli van Beveren)

Das ist sie: meine Frau des Monats März: Anke Bruns, Journalistin.

Ich habe sie gebeten, mir etwas über sich und ihre Erfahrungen als Journalistin in einem immer noch ziemlich männerdominierten Job zu schreiben. Das hat sie getan und ich freue mich sehr darüber! Dankeschön, liebe Anke!

Ich kenne Anke schon lange: Sie ist eine enge Freundin meines Gatten und wir waren beide freie TV- und Radioautorinnen beim WDR in Bielefeld. Sie ist nicht nur eine wirklich gute Journalistin, die mit viel Sachverstand, Humor und Empathie ihre Themen bearbeitet. Sie ist auch eine wunderbare Freundin, die sich – wie du gleich lesen wirst – nicht scheut, auch mal sehr ehrlich zu sein.

Aber so gefallen sie mir – die Frauen, die ich bewundere, die ich mag und die – wie Anke – weit über ihren Tellerrand hinaus blicken.

Hier stellt sie sich selbst vor:

Ein Beitrag von Anke Bruns

Gisellas Frau des Monats muss sich jetzt echt sputen, um ihren Text noch rechtzeitig vor Ablauf des Monats bei „der Gräfin“ – wie ihr Mann sie gerne liebevoll nennt … – abzuliefern.

Gisella hat sich gewünscht, dass ich hier ein bisschen was über meinen Beruf schreibe. Und das mit dem Fokus „Frauen im Journalismus“.

Ich fang mal mit der Frage an: „Wie bist du auf den Beruf der Journalistin gekommen?“

Wer in ein Vorstellungsgespräch mit dem Satz rein geht: „Ich wollte immer schon Journalistin werden“, kann eigentlich direkt seine Unterlagen einpacken und wieder gehen. Sowas Simples, Unkreatives geht natürlich gar nicht. Und deshalb, liebe Gisella, will ich deine Frage, mal so beantworten: Es sollte wohl so sein.

Ich arbeite seit über 30 Jahren in diesem Beruf, 28 Jahre davon als Fernseh- und Hörfunkjournalistin, neuerdings mit dem Zusatz „und für Social Media“, bin seit 20 Jahren

Anke recherchiert für die WDR-Sprechzeit. In diesem Format wenden sich Kölner Bürger:innen an Anke, um Missstände oder Probleme mit ihrer Hilfe beseitigen zu können. Foto: Petra Domres

Autorin der TV-Ombudserie „Sprechzeit“ in der WDR Lokalzeit Köln, moderiere seit über 30 Jahren alle möglichen und unmöglichen Veranstaltungen, bin Referentin, Trainerin…  daneben Mutter einer Tochter, Freundin eines Freundes… und fühle mich beim Lesen dieser Zahlen („seit über 30 Jahren“…) plötzlich älter als heute Morgen.

Als ich klein war – was in meinem Leben nur eine ganz kurze Phase der Fall war – und in die Grundschule ging, sollte ich in der dritten Klasse mal so tun, als ob ich ein Fußballspiel kommentieren würde. Es war irgendeine Übung für ich weiß nicht was. Und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie meine Klassenlehrerin nach meiner lautstarken Darbietung sagte:

„Du wirst bestimmt mal ne richtige Reporterin.“

Damit hatte sie tatsächlich eine miniklitzekleine Saat in mir gelegt. Journalistin sein, berühmt, laut, lebendig, … die Welt retten, vor wem auch immer…  ja, diese Vorstellung fühlte sich für die achtjährige Anke echt gut an.

Fünf berufliche Hakenschläge später (zwischenzeitlich wollte ich Maler- und Lackiererin, Sozialarbeiterin, Maurerin, Bauingenieurin und Psychologin werden) keimte die Reporterin-Saat allmählich in mir auf. Da war ich 19 Jahre und 1,81 groß.

Wieso erwähne ich die Größe? Weil sie mir in diesem Beruf von Beginn an geholfen hat. Auf mich konnte fast kein Chef oder Kollege heruntersehen. Alle mussten mit mir auf Augenhöhe sprechen. Und dafür brauchte ich mich nicht mit hohen Hacken zu quälen.

Und damit bin ich dann bei Gisellas Hauptthema: Frauen.

Ich fang aber trotzdem mal mit den Männern an. Bis tief in die 90er Jahre hinein, würde ich sagen, war besonders der Fernsehjournalismus sehr von testosteronübersteuerten Kollegen dominiert (die gleichaltrigen Frauen unter uns werden jetzt vielleicht heftig zustimmend nicken).

Ich habe mal in einer Redaktion gearbeitet, in der nur Männer das Programm geplant haben. Immer im Wechsel. Sie haben festgelegt, welche Inhalte ins Programm kommen und wer was umsetzt. Fußball, Crime, Verkehr. Das waren die Lieblingsthemen der drei. Der Chef war diesbezüglich mental im Vorgestern stehengeblieben. Auf meine Frage, wieso es keine Planerin gibt, antwortete er mir:

„Das geht nicht. Da muss ein Erwachsener ran.“

Diese Haltung, dass sich am Ende die Männer um die wirklich wichtigen Dinge kümmern müssen, hat leider bis heute überlebt. Es gibt zwar mittlerweile viele Frauen in Leitungsrollen. Aber in den Redaktionen sitzen immer noch überall Kollegen, die in den 80er/90er Jahren journalistisch sozialisiert worden sind und denen das „Da muss ein Erwachsener ran“ auch heute noch aus jeder Pore quillt.

Diese Typen stapfen breitbeinig über den Flur und titulieren ihre Kolleginnen auch schon mal als Bitch. Nein, nicht heimlich! Männer, die laut bellen, wenn sie jemand kritisiert. Männer, die Männerseilschaften pflegen und keine Frauen auf Augenhöhe mögen.

Diese Männer im Journalismus sind nicht mehr in der Mehrheit. Aber leider nehmen sie immer noch viel Raum ein.

Nein. Ich bin nicht lesbisch… Im Gegenteil. Ich hab nur immer schon so’ne Art Macho-Allergie gehabt. Und zum Leidwesen des einen oder anderen von ihnen hab ich auch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Nicht mal ganz am Anfang meiner Laufbahn als Journalistin.

1990 war ich beispielsweise Praktikantin in einer Zeitungsredaktion im Ruhrgebiet. Kleines Team, eine freie Mitarbeiterin, ein Fotograf, ein Leiter, keine Sekretärin. In der ersten Woche war der Chef im Urlaub. In der zweiten Woche kam er gleich am ersten Morgen zu mir und meinte: „Anke, machen Sie mir mal einen Kaffee.“ Ich war mit irgendwas beschäftigt und meinte: „Ich kann gerade nicht.“ Er: „Ich möchte aber jetzt Kaffee.“ Ich: Wieso machen Sie sich ihn nicht selbst?“ Er: „Weil ich das nicht kann.“ Ich: „Ich konnte bis vor einer Woche auch noch keine Artikel für eine Tageszeitung schreiben.“

Das fand er nicht lustig. Aber das war mir egal. Praktikantin hin oder her. Ich fand es einfach unangemessen, von mir zu verlangen, ihm nen Kaffee zu machen. Heute würde ich ihm wahrscheinlich sagen: „Dann kommen Sie mal her und ich zeige Ihnen, wie das geht.“

Dieses die Klappe halten und Sichfügen war nie meine Stärke. Und es war ganz sicher auch nicht immer… wie soll ich sagen?… meiner Karriere dienlich.

Anke mit einem Interviewpartner vor der Kamera. Foto: Petra Domres

Aber ich habe mich am Ende immer besser damit gefühlt, mich nicht zu verbiegen.

Und: Ich nage auch nicht am Hungertuch 😉 Meistens habe ich einen Weg gefunden, meine Ziele auf meine Weise zu erreichen.

Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut an mein erstes Vorstellungsgespräch für ein Volontariat im WDR. Da saßen mir einige Ich-kann-keinen-Kaffee-kochen-Macher gegenüber. Wir haben intensiv über das Programm diskutiert und ich habe den Herren in einigen Punkten widersprochen. Die Folge: Absage. Begründung:

„Sie waren der Jury zu selbstbewusst.“

Drei Jahre später saß ich erneut vor der Auswahl-Jury. Dieses Mal hatte ich im Vorfeld intensiv WDR geschaut. In dem Gespräch habe ich mich ausschließlich darauf konzentriert, was mir am Programm gut gefallen hat. Da ich wusste, dass der Verantwortliche für eine Sondersendung zum Strukturwandel im Ruhrgebiet mit in der Runde saß, habe ich diese Sendung als besonders interessant hervorgehoben. (Ich fand die Sendung wirklich gut, aber in einer Gesprächsrunde mit Freunden wären vermutlich nicht so viele Adjektive aus der Rubrik „herausragend“ gefallen.)  Nach diesem Vorstellungsgespräch wurde ich eingestellt.

Hab ich daraus gelernt, dass ich künftig am besten immer eine Seife in der Tasche habe? Nein. Ich habe daraus gelernt, dass es manchmal besser ist, die eigenen Ressourcen in den Blick zu nehmen und das Positive zu unterstreichen.

Das hilft mir übrigens auch, um mit den Restposten aus der Macho-Börse klar zu kommen. Jedes Mal, wenn ich mir ihr Gehabe anschaue, erkenne ich, wie viel sich in den vergangenen 30 Jahren zum Positiven verändert hat. Und das ist gut so.

http://www.anke-bruns.de/

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13 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Thorsten Rudnick
    28. März 2021 14:20

    Schade, schon zu Ende. Ich könnte immer so weiterlesen. Und obwohl ich der Gatte bin und sie die enge Freundin ist, kannte ich einige der Arschloch- (ups – Vorgestrigen-) Geschichten noch nicht.

    Antworten
  • Kommt mir alles irgendwie bekannt vor……!
    Das mit der Macho-Allergie muss ich mir merken.

    Antworten
    • Gisela Graw
      29. März 2021 21:17

      🙂 Mir auch… Aber ich habe doch das Gefühl, es wird langsam ein bisschen besser. Bei meinen Kollegen ist es so. Das finde ich toll!

      Antworten
  • Anke Kamphausen
    30. März 2021 11:05

    Wunderbar, liebe Anke! Ich bin zwar keine Journalistin, aber eine „Machtmänner-bestimmen-was-für-den-Rest-der-Menschheit-richtig-ist-Allergie“ hatte ich auch schon immer. Bei Herrn Woelki zum Beispiel äußert sie sich bei mir schon fast körperlich.

    Antworten
    • Danke, liebe Anke 🥰 Das mit den Allergien wird im Alter ja auch immer schlimmer… Meine Macho-Allergie ist so manchen Restposten gegenüber mittlerweile so ausgeprägt, dass ich nicht mal mehr Guten Tag sagen kann, wenn ich ihnen zum Beispiel im Sender begegnen. 😉

      Antworten
  • Margret Lurton
    30. März 2021 21:30

    Liebe Anke, toll und mir aus der Seele geschrieben. Möchte noch mehr von Dir lesen. Ganz liebe Grüße Margret

    Antworten
    • Liebe Margret, vielen Dank für Dein schönes Lob. Vielleicht schaffe ich es ja doch noch, vor der Rente wenigstens eine meiner vielen Buchideen mal umzusetzen. Ganz liebe Grüße zurück, Anke

      Antworten
  • Andrea Radermacher
    1. April 2021 09:44

    Auf jeden Fall eine würdige „Frau des Monats“.
    Liebe Anke, das ist so amüsant wie informativ geschrieben und gibt sicher auch den Stand der Dinge in vielen anderen hierarchischen Institutionen wieder.
    Herzliche Grüße
    Andrea (die ohne Führerschein 😉)

    Antworten
    • Danke schön, liebe Andrea. Und toi toi toi, dass Du bald wieder „die mit Führerschein“ wirst 😉

      Antworten
  • Kirsten Wallmeyer
    1. April 2021 18:27

    Liebe Anke, der Artikel spiegelt Dich eindeutig wieder. Ich als kleine Schwester kann das zu 100% bestätigen. Mach weiter so! Ganz liebe Grüße Kiki

    Antworten
    • Oh, Kiki, sehe jetzt erst Deine Zeilen. Dankeschön… Da freue ich mich doch sehr drüber 🙂 🙂 🙂

      Antworten

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